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Wettertraining, Diskomfort und Kreativität im Training

Den folgenden Text veröffentlichte ich aus aktuellem und generellem Anlass am 20. April 2008 im Forum von Parkour.de.

Hallöchen, zusammen,

in den letzten Tagen ist es mir immer mal wieder über den Weg gelaufen, das Thema: Winter und Regenwetter scheinen viele Traceure vom Training abzuhalten. In den Forendiskussionen ist das ja immer wieder zu beobachten: ich suche für den Winter eine Halle, damit ich weitertrainieren kann. Ich komm heute nicht zum Training, weil es regnet. Und so weiter…

Witzig auch zu beobachten: in den Foren sind immer ganz schnell Leute zur Stelle, die widersprechen und auf Trainingseffekte durch widrige Umstände hinweisen. Sieht man aber in der Realität nach, dann sind die Wintertrainings höchstens ein fünftel so groß wie die im Sommer, und selbst im Sommer hatte ich zu durchaus nciht ungünstigen Zeiten den kompletten Kölner Mediapark schon für mich alleine, wenns geregnet hat^^

Ich finde das immer wieder schade, da sich viele damit von einigem Trainingspotenzial abschneiden - ohne es selbst zu bemerken. Als Begründungen werden meistens zwei Argumente gebracht: a) könne man bei Nässe oder Kälte gar nicht so viel machen; b) das sei ja unbequem, und daher lege man das Training doch lieber auf trockenere, weniger kalte Zeiten.

Ich möchte im Folgenden auf beide Argumente eingehen, weil ich beide für blödsinnig halte.

a) was kann man noch trainieren, wenns nass oder kalt ist?

Diese Frage zu beantworten hat viel mit der Trainingseinstellung, mit den Zielen hinter dem Training zu tun. Warum trainiere ich Parkour, und was macht Parkour für mich aus? Ausgehend von allen möglichen spektakulären Videos scheinen viele der Ansicht zu sein, Parkour sei, wenn man fürchterlich spektakuläre Sprünge machen könne. Wenn man PArkour so definiert - ja klar, dann ist Nässe hinderlich, denn da gehen einfach lange nicht so große, “krasse” Sachen wie im Trockenen. Überhaupt gar keine Frage.

Doch geht es wirklich nur um die großen Sachen? Parkour ist für mich viel mehr, erheblich mehr. Parkour ist für mich die Kunst der effizienten Fortbewegung. Mir geht es um eigene Fortentwicklung. Mich selbst vernünftig bewegen zu lernen. Meine Umgebung anders wahrzunehmen, einen kreativen Umgang mit Hindernissen zu entwickeln. Mein Handlungsrepertoire zu erweitern, mein menschliches Potenzial zu entdecken und nutzen zu lernen. Mir geht es darum, mich mental weiterzuentwickeln. Darum, in jeder nur denkbaren Situation handlungsfähig zu sein. Dass man auch spektakuläre Sachen machen kann, ist für mich eher ein Nebenprodukt dessen, was ich eigentlich trainiere. Es geht nicht um die große Show, um sich oder anderen was beweisen müssen. Es geht um eigene Freiheit in einem ganz gewissen Sinne.

Ich will lernen, in jeder Situation klarzukommen. Eine durchaus häufige real existierende Situation ist nun mal, dass es draußen nass ist. Ganz ehrlich, wenn ich in die Richtung will, die ich gerade beschrieben habe, dann kann man Training im Regen gar nicht ausklammern. Dann ist sogar gerade das ein wichtiger Trainingsinhalt. Eben WEIL da nicht mehr alles so geht wie im Trockenen…

Ja, die ganz großen Sprünge wirst Du im Regen nicht lernen. Wenns Dir nur drum geht, krass zu sein und nichts weiter, dann brauchst Du hier gar nicht mehr weiterzulesen. Dann geht das alles Dich nichts an. Geh in Deine Halle und zauber da rum. Viel Spaß dabei.

Was aber geht noch, wenns nass ist? Alles ist erheblich rutschiger, man muss sich auf die unterschiedlichen Oberflächen völlig neu einstellen, muss richtig vorsichtig sein, was man tut. Doch mit etwas Kreativität findet man schnell die Antworten: Nässe ist gerade DAS geniale Trainingsfeld, um Sorgfalt zu üben. Gerade wenn es rutschig ist, ist man auf richtig gute Technik angewiesen, damit die Dinge funktionieren. Ein Präzisionssprung etwa auf nasse Fliesen oder gar auf ein nasses Geländer braucht eine richtig gute Landung, wenn nichts passieren soll. Ein Katzen-Absprung auf nassem Holzboden darf nicht zu nachlässig sein, wenn der Absprung gelingen soll. Beste Gelegenheit also, um Präzision und Sorgfalt in allen Techniken zu üben (was ohnehin wichtiger Trainingsinhalt sein sollte) - nasse Oberflächen geben einem sehr schnell eine deutliche Rückmeldung, wenn eine Technik nicht funktioniert hat ^^

Gleichzeitig erfordert Nässe noch mal eine erheblich bessere Selbsteinschätzung. Was kann ich, wie weit sind meine Skills, wie zuverlässig kann ich die nötige Sorgfalt aufbringen? Training im Nassen stellt permanent die Herausforderung, immer wieder aufs Neue abzuschätzen, was geht und was nicht.

Glaub mir, das fördert das Zusammenspiel zwischen Dir, Deinem Körper und den Hindernissen ganz enorm.

Sei Dir bewusst, wenn Du im Nassen rausgehst, dass Du erheblich sorgfältiger vorgehen musst. Dann aber ist Training gerade in der Nässe eine hervorragende Schulung für unglaublich viele Skills, die hinter unserer Kunst stehen.

Ja, und was, wenn man gar nicht rauskann, wenn vor der Tür meterhoch Schnee liegt? Noch heute las ich so was in einem reaktivierten Winterthread…

Man, wie geil ist denn bitte Schnee? Was man da alles lernen kann. Bei einem meiner ersten Trainings in Köln lag eine dünne Schneeschicht. Ich hab das gleich erst mal für Rolltraining genutzt - im Schnee sah man wunderschön meine Rolllinie. Vielleicht findest Du sogar einen (dick genug) zugefrorenen See - ich warte schon zwei Winter lang vergeblich darauf, dass die Dorftümpel hier zufrieren und ich etwas Eistraining machen kann (Körperspannung und Sorgfalt bis zum Abwinken; Landungen und Rollen auf Eis stell ich mir witzig vor^^) Sollte der Schnee meterhoch liegen, kannst Du durchaus damit spielen, Dir Deinen Weg da durch zu bahnen, DIch selbst darin noch mühelos zu bewegen. Und ein mentales Training ists sowieso, dazu später.

Und selbst wenn Du gar nicht rauskannst, geht erheblich mehr als reines Krafttraining auch zu Hause. Da ist ebenfalls Kreativität gefragt - ob Du Deine BEttkante zum Hindernis umfunktionierst, an einer Stuhllehne übst oder wasweißichwas. Und selbst auf noch so begrenztem Raum kann man durchaus üben, sich ökonomisch zu bewegen - effizientes Bewegen fängt nicht erst beim Flug über Hindernisse an, die meisten Menschen bewegen im Alltag ihre Körper schon völlig unökonomisch.

Aber ich komm ins erzählen. Ich wollte hier eigentlich nur zärtlich andeuten, dass man wirklich jeder Situation trainingsmäßig was abgewinnen kann, wenn man nicht nur Riesensprünge zum Trainingsziel erklärt. Und dass es eigentlich sogar eine Notwendigkeit ist, das zu nehmen, was eben gerade da ist - diese Fähigkeit find ich ebenfalls einen wichtigen Trainingsinhalt.

b) aber es ist doch kalt!?

Stimmt. Und?

Das ist durchaus auch etwas, was ich oft beobachte: dass viele Menschen vor einem gewissen Diskomfort zurückschrecken. Sprich: es ist kalt, ich könnnte frieren oder mir mehrere Schichten anziehen müssen. Und da kommt doch tatsächlich mein innerer Schweinehund an und sagt: och nö. Und deswegen trainier ich lieber den ganzen Winter über nicht…

Oder was!?

Es ist immer wieder ernüchternd zu sehen, wie viel Macht eben dieser Innere Schweinehund über Menschen hat. Ein bisschen davon ist ja völlig in Ordnung. Doch wenn er anfängt, mich von erheblichen Teilen meines Trainings abzuschneiden, dann stimmt da was nicht. Denn in diesem Fall nimmt mir dieser innere Schweinehund eine wichtige Erfahrung.

Die Welt da draußen ist bei Regen oder im Winter eine völlig andere, durchaus spannend zu entdecken. Traurig daher, dass viele Menschen dann nicht rausgehen…

Eben dieser Diskomfort birgt eine ganz erhebliche Erfahrung in sich, die auch mit innerer Freiheit zu tun hat. Nämlich: was ist Luxus und was brauche ich wirklich zum Leben? Was ist nur inneres Genöle, und was ist wirklich wichtig? Wo beschränke ich mich mit meinen Glaubenssätzen selbst, und was ist Realität?

Natürlich will ich hier niemanden auffordern, bei -40° C nackt draußen rumzulaufen und sich Erfrierungen zu holen. Das wäre ganz einfach Blödsinn. Aber dieser Diskomfort, das “Unangenehme”, ist noch WEIT davon entfernt, meinem Körper wirklich zu schaden. Alles, was passiert, ist, dass mein Körper ein Signal sendet: “es ist kalt”. Dieses Signal kommt in unserem Kopf an, und dort passiert dann die Assoziationskette. Da werten wir “kalt” als “ungemütlich”, da haben wir die Hektik unserer Eltern vor Augen, die uns als Kindern immer sagten, Kind, zieh Dich warm an, es ist sooo fürchterlich kalt da draußen, oder geh besser gar nicht erst raus. Da ist das Gefühl der bequemen Zentralheizungswärme, die uns der Notwendigkeit enthebt, die Welt um uns rum wirklich wahrzunehmen, weil sie uns vor gewissen Sinneseindrücken “schützt”. Und natürlich der Innere Schweinehund. Und all das sagt in uns: “och nö”, wenn wir den Regen sehen oder die Kälte spüren. Aber noch einmal: die Realität ist zu 99,9%, dass diese Kälte weit jenseits eines gefährlichen BEreiches ist. Und es ist nicht die Sinnesempfindung selbst, die uns die Dinge unangenehm erscheinen lässt, sondern unsere endlose Kette von Assoziationen, die wir da dranhängen.

Merkst Du was? Wir selbst sind es, die uns da selbst beschränken. Auf ein Training zu verzichten, nur weils unbequem sein könnte? Mit innerer Freiheit, wie viele sie im Parkour suchen, hat das nichts zu tun. Freiheit, ja bitte, aber nur bei Sonnenschein?

Mach mal ein Experiment, wenn Du magst. Wenns nächstes Mal draussen kalt und össelig ist - ein Wetter, bei dem Du nicht gern vor die Tür gehen würdest - dann geh raus. Eben drum. Und zieh weniger an als sonst für so ein Wetter. Klar, nicht so, dass es richtig eklig wird. Aber Du solltest in der Lage sein, die Kälte und ggfs die Nässe auf Deiner Haut zu spüren. Und raus mit Dir, und streif ein wenig durch die Gegend.

Was passiert? Vermutlich folgendes: Deine Körper zieht sich zusammen, der Kopf geht vor und klemmt sich zwischen die Schultern, Du gehst etwas vornübergebeugt, der Atem wird flacher, der Körper geht etwas in Spannung, vielleicht bildet sich Gänsehaut oder der Körper zittert sogar etwas, und wahrscheinlich wird Deine Laune missmutig.

Interessant bereits an dieser Stelle. Hier liegt eine mehr oder weniger automatische Reaktion des Körpers vor. Und zwar eine erlernte, aber dennoch eine Schutzreaktion, die versucht, uns von dem abzuschneiden, was da um uns herum vorgeht. Wer sich ernsthaft für seinen Körper und sein eigens Verhalten interessiert, hat hier ein fantastisches Studienobjekt für automatische Körperreaktionen. Und für das Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele, denn dieses krampfartige Verhalten macht sich auf allen Ebenen bemerkbar. Die Schuld an unseren Empfindungen und der Laune geben wir nur zu oft dem Regen; dabei ist es eigentlich ein Prozess, der in unserem Inneren läuft, der uns das antut. Es sind unsere Bewertungsmuster und Handlungsweisen, die diesen Zustand hervorrufen. Der Regen oder die Kälte dagegen sind ja zunächst im ungefährlichen Bereich.

Okay. Versuchen wir mal, dieses Spiel zu durchbrechen. Wenn Du an diesem Punkt gelebten Diskomforts angekommen bist, dann mach mal auf. Atme tief und kräftig durch. Entspanne Deinen Körper, richte Dich wieder auf. Erlaube es dem “unangenehmen” Gefühl, dass es da sein darf. Begrüße die Kälte und Nässe wie einen Freund, lasse sie durch Dich hindurchfließen. Auch Kälte ist so was wie eine Energie. Gib Dich diesen Empfindungen völlig hin - Realität sind sie sowieso. Wenn Wind da ist, lasse Dich bewusst durchpusten. Du kannst den Atem für die Entspannung benutzen. Aber entspanne Dich, lass los.

Vielleicht merkst Du, wie plötzlich auch die angespannte Geisteshaltung, die schlechte Laune, schwindet. Und dass Du plötzlich eine ganz andere Wahrnehmung für Deine Umgebung entwickelst, erheblich mehr mitbekommst, als vorher in der wehrigen Haltung.

Spür mal rein: wie schlimm ist es wirklich, jetzt hier draußen zu sein? Wenns stimmt, dann fühlst Du zwar die Kälte, aber sie ist nicht mehr schlimm. Gegenüber dem motzigen Zustand vorher, der sich gegen jede Lösungsmöglichkeit sträubt, werden dir plötzlich jetzt Dinge einfallen, die Du tun kannst, um Dich warmzuhalten - und sei es, durch die Gegend zu hüpfen, die Hände zu reiben oder was auch immer.

Wenn Du das Gefühl hast, Du hast jetzt genügend mitbekommen, dann geh wieder rain. Zieh Dich um, wenn Du magst, dusche warm, setz Dich mit einem guten Buch und einem guten Tee an die Heizung und genieße die Vorzüge modernen Wohnungsbaus (die man dann plötzlich richtig zu schätzen lernt).

Es ist nicht schlimm, wenn mal etwas “unangenehm” ist. Gerade diese Dinge bergen meist verdeckte Lehren in sich, die aufzuspüren spannend sein kann. Gerade aus der Beschäftigung mit Dingen, die ich ohne wirklichen Grund als unangenehm empfand, habe ich einige der wichtigsten Lektionen meines Lebens ziehen können. Der Umgang mit Kälte ist hier ein wunderbares Modell, um das zu trainieren…

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Ich bin nicht der Typ, der extra rausgeht, nur weils regnet. Aber ich lasse mich von Regen, Winter etc. nicht vom Training abhalten, wenn ich Lust zu trainieren habe. Noch einmal: es kann nicht drum gehen, fahrlässig Unterkühlungen oder Erfrierungen in Kauf zu nehmen. Wie überall (und gerade im Parkour) geht es auch hier darum, das richtige Maß zu finden. Doch hält unser Körper erheblich merh aus, als wir oft für möglich halten, und mit unserer überdimensionierten Bequemlichkeit und oft fehlendem Bewusstsein für Möglichkeiten unter ungünstigen Bedingungen beschneiden wir uns nur zu oft selbst.

Parkourtraining bietet die Möglichkeit, auch hier einen anderen Umgang mit den Dingen zu finden.

Lieben Gruß,

Malte

Lernwege

Forenbeitrag vom 12. November 2007 im Forum auf Parkour.de. Das Original seht im Beitrag “die Bewegung geht verloren!!” von PascalPK. In diesem Beitrag hatte sich eine mehr oder weniger hitzige Diskussion darum entsponnen, ob nun die Grundbewegungen zu trainieren sinnvoll sei oder ob dabei nicht die Bewegung als solche verloren gehe. Der Originalthread steht hier: http://parkour-germany.de/board/wbb/index.php?page=Thread&threadID=8190

Lese gerade ein Buch von einem gewissen Herrn Feldenkrais, der sich intensiv mit Bewegung auseinandergesetzt hat und der damit auch durchaus einige Impulse zu Körperentwicklung und Parkourtraining gibt. Das Buch trägt den wunderschönen Namen “Bewußtheit durch Bewegung”. Aus diesem Buch möchte ich einige Punkte herausnehmen und mit dem Thema hier in Zusammenhang stellen - weils gerade so schön paßt. Dabei gehts mir gerade nicht um Bewegung an sich, sondern darum, wie man sie lernt - die Anwendung auf das Threadthema wird bald deutlich werden.

Feldenkrais hat u. a. untersucht, wie Menschen lernen. Er gliedert dabei drei Möglichkeiten aus, etwas zu lernen:

a) der natürliche Weg. Sprich: man TUT die Dinge einfach. Lernen durch Trial and Error, und das entwickelt sich eben. So haben wir alle mal laufen gelernt. So haben die Steinzeitleute Jagen oder Gerben gelernt. So haben wir ursprünglich als Kinder bevorzugt gelernt: man tut es eben, und dabei entwickeln sich gewisse Fertigkeiten von selbst.

b) mag dann der eine oder andere dabei sein, der ein wenig herumprobiert und feststellt: oh, so geht es noch besser. Er mag Laufen auf dem natürlichen Weg gelernt haben und stellt nun fest: wenn man die Füße so oder so setzt, rennt man kraftsparender. Sprich, er entwickelt seine Fertigkeit eine Stufe weiter. Vielleicht findet jemand anders etwas anderes heraus, und strickt sich sein System daraus. Viele der Künste dürften vor allem so entstanden sein. Und ja, auch Parkour.

c) ist der systematische Weg. Jemand hat sich vielleicht hingesetzt, ein System entworfen, erforscht nun die Möglichkeiten systematisch, bastelt ein Konzept draus, nach dem er arbeitet. Das Ergebnis ist oft hoch effizient. Viele Berufe folgen diesem Muster. Hier würde ich die Entwicklung und das Training der Grundtechniken einsortieren.

Meine persönliche Beobachtung ist, daß bei der Entwicklung eines Weges oft eine dieser Herangehensweisen dominiert; allerdings ist es m. E. durchaus möglich, sich einem Sachverhalt mit mehreren dieser Herangehensweisen gleichzeitig anzunähern.

Feldenkrais hat sich auch Gedanken drüber gemacht, welchen dieser Wege er für den sinnvollsten hält. Hierzu möchte ich ihn selbst sprechen lassen:

“In vielem ist es schwer zu sagen, ob der natürliche Weg der beste sei oder ob einer gleich damit beginnen solle, das methodische Stadium zu erlernen. […] Viele verstehen sich nicht aufs Trommeln, aufs Diskuswerfen, auf Hoch- und Weitsprung, aufs Atmen, aufs Flötenspiel, aufs Zeichnen, Rätselraten und viele andere ‘natürliche’ Tätigkeiten, die früher nie anders als auf dem natürlichen Weg erlernt wurden. Nur, heute wagt’s einer kaum, sich derlei selber beizubringen, da es ja dafür anerkannte Methoden gibt. […] er kann dafür keine Aufmerksamkeit erübrigen und ist vor allem beschäftigt mit Tätigkeiten, die er systematisch und bewußt erlernt hat. Solche Menschen nützen zwar der Gesellschaft wie sie ist, aber es fehlt ihnen an Spontaneität, und auf Gebieten außerhalb ihres beruflichen tun sie sich mit dem Leben schwer.[…]
Die dritte Stufe, die systematische, hat ihre Tücken. Zum Beispiel: was llgemein als ‘Gebiet für Spezialisten’ gilt, wird von vielen für unzugänglich gehalten von vornherein. Sie versuchen nicht einmal, es zu betreten; sie versuchen nicht einmal, die ersten beiden Stufen zu erreichen, obwohl diese jederman erreichbar sind. Trotzdem ist diese Stufe sehr wichtig. Durch systematisches Tun können wir Verhaltens- und Handelnsweisen finden, die unseren […] Bedürfnissen entsprechen und die wir auf dem ‘natürlichen Weg’ vielleicht nicht finden würden, weil Umstände und äußere Einflüsse uns in Bahnen gelenkt haben mögen, in denen weiterzukommen unmöglich ist.”

Kurz auf den Punkt: systematisches Handeln ist sinnvoll, gut und notwendig, und damit hat das gezielte Training der Grundbewegungen durchaus Wert. Doch ist das Andere, das Ausprobieren, das natürliche Lernen, mindestens ebenso wertvoll. Und, wenn ich das noch ergänzen darf: jede Systematik birgt immer die Gefahr der Unvollständigkeit, was durch das natürliche Lernen wieder aufgefangen werden kann.

Daß das sture Nachmachen von Grundbewegungen gar nicht unbedingt soo systematisch ist, lasse ich hier mal außen vor - immerhin ist es ein System, innerhalb dessen man sich bewegt, wenn man danach trainiert.

Wir werden heute in Schule und Beruf oft darauf getrimmt, den systematischen Weg zu wählen. Ich halte das für notwendig, aber erheblich unvollständig. Die Folgen hat Feldenkrais ja bereits gut auf den Punkt gebracht.

Unsere Wahl, ob wir diese Fehler der Gesellschaft im Parkourtraining - unsere Freiheit, Hobby, Lebensphilosophie, persönlicher Entwicklungsweg - ob wir diese Fehler da wiederholen, oder ob wir endlich mal lernen, unser Potenzial voll zu nutzen.

Darum geht es aus meiner Sicht bei der Diskussion über die Rolle der Grundbewegungen im Parkour.

Und wer jetzt verstanden hat, ich sei für oder gegen ein Training der Grundbewegungen, hat nicht verstanden, was ich sagen wollte. Punkt.

Freue mich über Rückmeldungen aller Art.

Lieben Gruß,

Malte

Parkour und Meditation (engl.)

Folgenden Text schrieb ich am 5. Oktober 2007 im internationalen, englischsprachigen Bereich auf Parkour.net. Ausgangsfrage war, ob Meditation ebenfalls hilfreich für das Parkourtraining sein kann. Da Parkour.net demnächst die meisten seiner Beiträge im Forum komplett löscht, möchte ich den Text hier reinstellen - wäre m. E. schade,wenn er verloren ginge.

Parkour IS a form of meditation!

In my understanding, you do repeat here a mistake about meditation which is very popular.

What is meditation? First of all, it is a state of mind in which you are just calm. There are ideally no thoughts any more, when thoughts pop up, you let them go instead of holding on them, as we often do in everyday life. And you are ideally just in the moment, on a certain way full and empty at the same time. Meditation is this state of calm mind, no more, no less. It is a very powerful state in which nice things are possible.

There are several ways of getting into this state of calmed mind. Some of those ways are mentioned here, and there are much more. One of the easiest: just sit down, relax, and try to find out the most silent sound around you. When you get one, find the next silent one ;-)

But whatever, there are hundreds and thousands of ways of getting there. Some are very complicated, some very easy. Some get you very deep into calmness, others not so much (but that depends not on how complicate the way is, but on how deep you give yourself into). Which way you follow is not important, as long as the way works for you.

You can even do meditation in EVERYTHING you do. Once my father gave me a big box of walnuts he had collected unter his tree, and he told me: “there is much meditation inside”. That was when I realized that you can use EVERYTHING you do to get into the moment, into calmness, when you really DO what you do instead of thinking thusands of thoughts parallely. Really: when do we REALLY do anything, being totally inside of what we do, without permanent mental distribution? Means NOT concentration, not fixation on something, but means being empty and open for te moment. I even sometimes meditate while car driving - just being fully present in the moment, really aware on anything along my way without getting into any fixation on thoughts or something around me.

And that is the mistake many people do: meditation is something very practical, which can be done in every moment. You do not have to sit down and cut yourself off the world around you, do not have to meditate away. Yes, the way of taking extra time for meditation can help to get deeper into it, to experience this state, and maybe even to work with it on a spiritual level. But never stop at this! Any meditation exercise is useless when you do not transfer it to everyday life. Every exercise always have to be a bridge to improve your life and your way of acting in reality.

I have seen many people in esoteric contexts who always only meditated in silence and took extra time for it, often in very complicated ways. They often built up new worlds of spirit and lived more and more in these parallel worlds. The effect: they had more and more problems to live their everyday reality. They improved more and more in living in these “spiritual” spaces and paid less and less attention for their physical and everyday reality. What is taht good for?

No, meditation has to be in everything that you do, not only in isolated moments. And you CAN use everything you do as a meditation: just when you let go off thoughts and really dive into the moment, into whatever you do. When you feel yourself, your body, your whole existence (and yes, the physical existence ist at least as real as the spiritual one ;-) ) and really do what you do with your full heart.

By the way: meditation is a state you maybe not feel special in. Many people think they have to feel great when they get into meditation - no, that’s not always the case. In Meditation you just don’t care about having to feel special.

…and that is where Parkour enters the game. To me, Parkour is a great, very easy form of meditation. You really have to be aware about what you do in every single moment. When you are not fully present, you may fall on your nose, hurt yourself or even break some of your bones. Normally, when you do Parkour, you are fully present in the moment. That’s already a form of meditation!

Many people I see doing Parkour - including myself - very easy drop into this kind of meditation easily just by doing fully what they do.

And I think Parkour is a very great form of meditation. It not only is an art which makes it easy to dive into, it also involves the body which is an important, but in meditations almost forgotten part of our existence.

Maybe meditation in this understanding is one of the aspects which make Parkour being an Art…

But at this point I have to make one warning: don’t try do find meditation in your Parkour training now! When you are out there, do parkour and think about how to feel meditation in your movements, then you are mentally again not really in what you are doing! Right? So, as in many cases, the sheer act of searching can hinder the finding.
Again: when you search this state actively, you shoot yourself out of the possibility to make it real. When you search those things, you won’t find them.

The only way is: just do what you do with all of your heart! Just do whatever you fell that has to be done, just be aware of yourself and of your surrounding, and really dive into whatever you do. In Parkour this will be easy for you, as you anyway have to be aware and fully present.

So just use Parkour to really BE. That’s it.

Best,

Malte

Parkour, Freiheit und Bewegung

Original gepostet im Forum auf parkour.de, 17. August 2007

Hallo, zusammen,

ich stolpere für mich derzeit in Sachen Training immer wieder über einige Punkte, die mich beschäftigen. Im Moment versuche ich, mein Training entsprechend umzustellen.

Ausgangspunkt meiner Gedanken: Was ist Parkour eigentlich? Parkour ist die Kunst der effizienten Fortbewegung. Zudem hat das was für mich mit Freiheit zu tun - Freiheit der Bewegung, Gehen des eigenen Weges, Umgang mit Hindernissen, auch im Alltag.

Doch trainieren wir das wirklich?

Ist es Fortbewegung, wenn wir immer nur einzelne Sprünge und bestenfalls mal Minikombis trainieren?

Ist es Freiheit, wenn wir lediglich unseren Alltagsroutinen ein Dutzend weitere Bewegungsroutinen hinzufügen und diese bis zum Abwinken trainieren?

Ist es ein Gehen seines eigenen Weges, wenn wir immer nur einzelne Hindernisse mit sorgfältig abgeschätztem Anlauf frontal angehen? Lassen wir uns nicht dadurch auch von den Hindernissen lenken?

Wie geht es eigentlich, diese Dinge auf seinen Alltag zu übertragen?

Lernen wir wirkliche Freiheit der Fortbewegung, wenn wir diese nicht AUCH trainieren? Und wie trainiert man so was eigentlich?

Ist man “gut” in Parkour, weil man eine Dreifünfzigmauer hochkommt oder sonstige krasse Sachen schafft?

Besteht die Effizienz der Fortbewegung ausschließlich in der Maximalleistung der einzelnen Bewegungen?

BTW, ist Schaffen gleich Können?

Ist es Freiheit, Deine Skills immer an den selben Hindernissen zu üben?

Kann Parkour nur an optimalen Trainingsplätzen stattfinden?

Kann man Parkour nur in der isolierten Trainingszeit trainieren? Wie kann man Parkour wirklich in den Alltag einbauen?

Kann man Parkour nur machen, wenn man sich aufgewärmt, sich zum optimalen Trainingsplatz begeben und seine Freunde um sich geschart hat? (Um Mißverständnissen vorzubeugen: wenn man wirklich im oberen Leistungsbereich trainiert, ist Aufwärmen unverzichtbar, klar).

Ist es wirklicher Bewegungsfluß, wenn man, um über ein kleines Hindernis zu springen, seinen gemütlichen Trott aufgibt, fixiert in Spannung geht, drauflosrennt und drübersetzt?

Bei einem Run - ist es Bewegungsfluß, jeweils das nächste Hindernis zu fixieren, nach selbigem fast stehenzubleiben und dann das nächste zu fixieren?

Kann man es sich auf der Flucht leisten, sich nur auf ein Hindernis zu konzentrieren und alles andere auszublenden?

Überhaupt, woher kommt Parkour eigentlich? Was soll das alles? Wofür trainiere ich das heute?

…und warum schreibe ich das hier alles eigentlich? Mit Sicherheit erwarte ich hier keine Antworten.

Ergänzungen folgen ggfs später.

Lieben Gruß,

Malte

Gesundes Laufen

Folgenden Beitrag verfaßte ich am 14. Juli 2007 auf Parkour.de. Vorher hatte ich in Bezug auf Feiyue-Schuhe einiges in der Richtung angedeutet. Hier antworte ich auf eine Nachfrage dazu.

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Das Thema ist ein sehr großes. Ich hab mich mal eine Zeit lang damit beschäftigt, wie Naturvölker liefen und wie wir das tun. Unser Laufstil ist erheblich degeneriert. Ich deute mal paar Sachen zärtlich an Freude

Wir laufen nicht mehr in unebenem Gelände, sondern auf geebneten Straßen ohne Hindernisse. Deswegen haben wir nicht mehr die Notwendigkeit, die Füße zu heben - die unseren verlassen oft nur wenige Zentimeter den Boden. Und wir brauchen nicht mehr vorsichtig aufzutreten - es gibt kaum was, worüber wir stolpern könnten.

Geh mal bewußt ein paar Schritte auf Straße mit normalen Schuhen. Wahrscheinlich wirst Du feststellen, daß Du bei jedem Schritt mit der Ferse aufkommst. (Der Künstler Hugo Kükelhaus schrieb mal sinngemäß: Laufen ist ein ständiges Abfangen des Falls). Und achte mal drauf: Bumm. Bumm. Jeder Schritt, jedes Aufkommen mit der Ferse ist ein Schlag in die Gelenke, in die Wirbelsäule! Jedem, der gewohnt ist, so zu laufen (rund 95% unserer Bevölkerung) kann ich nur empfehlen, Schuhe mit ordentlicher Fersendämpfung zu tragen. Alles andere geht entsprechend mehr auf den Körper - was der Hauptgrund ist, warum ich Feiyues nur eingeschränkt empfehlen kann.

Einer meiner Lehrer hat sich mal neben einem mittelmäßig genutzten Waldweg eingraben lassen. Immer, wenn sich jemand näherte, konnte er das auf weite Entfernung hören - weil jeder Schlag mit der Ferse bei jedem einzelnen Schritt im Boden deutlich zu hören war. Bumm. Bumm. Bumm…

Dazu kommt, daß wir durch unsere modernen Fußbetten nicht mehr selbst den Fuß halten müssen. Ohne Fußbettgewöhnung würde der Außenspann des Fußes einen Bogen bilden, der den Fuß trägt. Heute treten die meisten Leute, wenn sie denn mal barfuß laufen, mit der ganzen Fußsohle auf, weil die Körperspannung an den entsprechenden Stellen fehlt.

Ach ja, und schau mal, über welchen Zeh Du abrollst. Bei einem normalen Schuh wird das eher die äußere Zehenreihe sein. Wenn jemand mit etwas Übung barfuß läuft, rollt er in der Regel über den dicken Zeh ab, viel gerader als in modernen Schuhen. In den Feiyues ebenso.

Dieses Thema ist mit vielen anderen verknüpft. Durch die gepolsterte Ferse in den meisten Schuhen ist diese in der Regel auch ein wenig höher gelagert, was Auswirkungen auf die komplette Haltung hat.

Und letztlich ist das auch nur ein kleiner Teil vom Ganzen. Forscher im vorletzten Jahrhundert wunderten sich, warum die Indianer oft so kräftige Leute waren, obwohl sie kaum trainierten. Das lag demnach viel an der Körperhaltung, die die pflegten - den ganzen Körper gleichmäßig angespannt, aufrechte Wirbelsäule. Gegenüber unserer Art zu stehen etwas mehr in die Knie (Gelenke durchstrecken halte ich eh nichts von), Hüfte etwas nach vorn geschoben, und den Oberkörper aufgerichtet, als würde die Brust an einem Faden nach Vorne oben gezogen. Zunächst sehr ungewohnte Haltung, aber wohltuend. Interessanterweise ist das auch der Stand, der im T’ai Chi und benachbarten Disziplinen eingeübt wird.
Letztlich ist so ein Grundzustand, der irgendwo in der Mitte zwischen An- und Entspannung liegt, viel erholsamer als Abschlaffen. Ja, die meisten von uns (was sich durch Parkour übrigens ändern kann) haben zu viel Spannung in den Schultern und zu wenig im restlichen Körper.

Zum halbwegs gesunden Laufen kenne ich folgende Varianten, die sich alle dadurch auszeichnen, daß die Ferse eben nicht aufhaut:

- ordentliches Abrollen des ganzen Fußes. Dabei kommt zwar durchaus die Ferse zuerst auf dem Boden auf, überträgt die Energie des Laufens aber nicht auf den Boden. Gutes Joggingtraining beinhaltet auch sauberes Abrollen des Fußes. Mit etwas Achtsamkeit kann da aber jeder hinkommen.

- die Art, wie die Naturvölker liefen, übt man am besten ganz langsam zunächst, bevor das schneller werden kann: dabei setzt man den Fuß mit der Außenkante zuerst auf, also erst mal nicht mit der Ferse. Dabei kann man soar noch tasten, ob da Hindernisse sind - ein zum Schleichen sehr guter Schritt. Erst wenn der Fuß auf dem Boden gut steht, verlagert man das Gewicht darauf. Das Bein wird bei jedem Schritt vor den Körper gehalten, nicht darunter. Man schiebt dabei kontrolliert den Körper vorwärts, statt ihn fallen zu lassen und abzufangen. Und das Ganze möglichst in der o. g. Haltung. Wenns wirklich stimmt, dann bewegt sich beim Laufen der Körper nicht auf und ab, wie bei unserem “normalen” Laufen, sondern wenn jemand Dich hinter einer flachen Mauer vorbeigehen sehen würde, sähe er Deinen Oberkörper praktisch immer auf einer Höhe dahingleiten. Und das ist, als würde man bei jedem Schritt den Boden streicheln, eine ganz sanfte Bewegung.

Eine Bekannte von mir kam mal zu einem alten Indianer. Sie wollte von ihm etwas über Heilpflanzen lernen. Er sah sie irritiert an und meinte: “Bevor Du die alten Lehren lernst, lerne erst einmal, über die Erde zu gehen”. - genau diese Dinge dürfte er gemeint haben.

- Wenn dieser Schritt etwas schneller werden soll, berührt irgendwann die Ferse den Boden gar nicht mehr, dann rollt man nur noch auf dem Ballen von außen nach innen ab.

Das Thema ist ein verdammt großes und hat viel mit unserer Entfernung von einem natürlichen, lebensbetonten Lebensstil zu tun. Ich übernehme keine Haftung für Eure Versuche zum Thema! Ich habe hier nur einen kleinen Teil des Gesamten darstellen können, und vieles mag mißverständlich sein. Wer keinen erfahrenen Lehrer in der Richtung hat und damit experimentieren möchte, nur zu - aber achtet sehr genau auf die Signale Eures Körpers und richtet Euch danach! Alles andere wäre Verantwortungslos.

Ich freue mich über Kommentare aller Art und beantworte gern konkrete Fragen. Allerdings bin ich ab Mittwoch im Urlaub.

Lieben Gruß,

Malte

Training: der mentale Anteil

Den folgenden Beitrag schrieb ich am 8. Juni 2007 in Parkour.de. Vorangegangen war die Frage, wie man denn den mentalen Anteil von Parkour gezielt trainieren könne.

Das Original ist hier zu finden (Anmeldung erforderlich): http://www.parkour.de/forum/thread.php?postid=78929#post78929

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Hey Jonas,

geile Frage.

Richtig, in meinem Blog habe ich nur einen kleinen Teil dessen angerissen, was - zumindest für mich - den mentalen Teil ausmacht.

Schwer, da was wirklich gezielt zu trainieren. Wenn man gar nicht genau weiß, wo die Reise hingehen soll, wie sollte man da gezielt trainieren können? Schwer, wenn man nicht einen bereits weit fortgeschrittenen Lehrer hat.

Ganz wesentlich aber kommt man an den mentalen Anteil dran, wenn man wirklich ernsthaft trainiert. Mit reinem Nachdenken kommt man nicht sonderlich weiter - da kommt man nur zu theoretischen Ergebnissen und nicht zu wirklich praktischen Ideen.

Wenngleich es natürlich auch wichtig ist, das, was man tut, zu reflektieren. Aber eben nicht nur.

Einige Eckpunkte, die nötig sind, damit das Training auch was bringt in der Richtung:

- Effizienz ist schon eine gute Leitlinie. Nicht jede Bewegung muß effizient sein, aber dennoch sollte das ein wesentliches Trainingsziel sein. Und damit läßt sich spielen: was ist jetzt wirklich effizient? Ist es effizient, immer nur einzelne Bewegungen separiert auf Maximum zu trainieren? Ist ein Katzensprung über eine Tischtennisplatte effizient oder könnte ich auch was anderes machen oder drumrumlaufen? Was wäre effizient, wenn ich jetzt die Hände nicht benutzen könnte? Wie würde Effizienz aussehen, wenn hier nicht eine kleine Stufe, sondern ein großer Abgrund wäre? Oder wenn ich Kleidung trage, die ich nicht schmutzig machen darf, weil ich gerade auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch bin?

- Parkour bedeutet, seinen eigenen Weg zu wählen und ihn effizient zu gehen. Das ist nicht nur ein körperlicher Prozeß, sondern läßt sich auch auf Schwierigkeiten (=Hindernisse) im Alltag anwenden. Schau mal, wo Du in Deinem Alltag lernen kannst, selbständig auf Deine Art Deinen selbst gewählten (Lebens-)Weg zu gehen.

- Lerne, auf Deinen Körper und seine Signale zu hören. Und auf Deine Intuition. Dafür ist Parkour recht klasse. Schmerzen meine Gelenke? Dann mach ich etwas falsch. Autsch, das hat reingehauen, so was sollte ich noch lassen. Und hey, das hat sich jetzt voll flüssig angefühlt. Und den Sprung da spür ich, also mach ich ihn. Wenn ich ihn nicht fühle, laß ichs lieber. Und so weiter…

- Parkour bedeutet wesentlich mehr Freiheit. Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung. Kann ich voll zu dem stehen, was ich tue? Würde ich das auch tun, wenn der Grundstücksbesitzer oder ein Polizist danebenstehen würde? Damit lernst Du, was okay ist und was nicht, lernst gleichzeitig, zu Dir selbst zu stehen - oder die Dinge eben zu lassen, wenn Du das nicht kannst. Aber übernimm die Verantwortung! Für Dich und für das, was Du tust.

- Entsprechend, lern auch, die Dinge um ihrer Selbst Willen zu tun und nicht, um damit anzugeben (wenn das der Fall ist). Hättest Du den Sprung jetzt auch gemacht, wenn keine Zuschauer da gewesen wären?

Im Idealfal ist es Dir dann irgendwann egal, ob Zuschauer da sind oder nicht. Leute stacheln Dich nicht zu irgend etwas an, was eigentlich zu viel ist, und da Du zu etwas stehen kannst, was Du tust, ist es aber auch völlig egal, wenn Du mitten in einer Menschenmenge trainierst.

- Entdecke, wofür Du trainierst. Da mußt Du nicht sofort eine Antwort drauf haben. Aber beobachte das mal. Trainierst Du, um stark zu werden? Um nützlich zu werden, anderen helfen zu können? Um zum Muskelprotz zu werden und Dein Sixpack vorzeigen zu können, bei Partys alle möglichen “Tricks” zu reißen? Oder gar, um Dich als Mensch weiterzuentwickeln? Trainierst Du, um möglichst schnell möglichst krasse Sachen zu können? Oder geht es Dir mehr um Beweglichkeit, die Du auch in vierzig Jahren noch hast?
Deine eigene Antwort darauf wird sich immer mal wieder verändern, und das ist gut und richtig so. Aber beobachte ruhig Deine Motivation und passe Dein Training drauf an, statt nur das zu trainieren, was die Anderen auch trainieren. Auch das ist ein Stück Gehen des eigenen Weges.

- lerne volle Präsenz und Aufmerksamkeit, in jedem Moment Deines Handelns. Das hilft enorm für die Klarheit auch in Deinem Alltag.

…das ist das, was mir gerader so spontan einfällt. Kannst ja mal schauen, was davon Dich anspricht.

Letztlich geht es immer darum, nicht nur in Trainings Parkour zu trainieren, sondern Parkour, das effiziente Gehen Deines ganz persönlichen, eigenen Weges zu einem Teil von Dir selbst werden zu lassen. DU BIST PARKOUR.

Lieben Gruß,

Malte

Etre et durer

…aus dem gleichnamigen Thread auf Parkour.de - 2. Feb. 2007. Insgesamt SEHR lesenswerter Thread, auch Ylos Gedanken haben mich sehr berührt.
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Parkour ist aus meiner Sicht eine verdammt gute Chance, auf genau die Fragen Antworten zu finden. Beziehungsweise, sie gar nicht erst stellen zu müssen.

Wenn ich mir die Frage stelle, ob ich eigentlich BIN, und all die anderen, die Du stellst, dann bin ich bei einem wertvollen Zwischenschritt gelandet. Nicht weniger, nicht mehr.

Denn es ist in der Tat so, daß viele Menschen sich selbst von der Realität abschneiden. Oft ist es der kleine Plappermann auf der Schulter, der einem beständig ins Ohr flüstert: das war nicht gut. Du bist nicht gut. Du solltest anders sein. Mach das doch mal so oder so. Dü müßtest jetzt aber mal. Sei doch mal Du selbst. Und so weiter…

Die ewige, nie stillstehende Gedankenmaschinerie.

Der ständige innere Zweifel, der alles kritisch beäugt.

Doch das ist nicht die Realität. Im Gegenteil, so was schneidet einen davon ab, einfach zu sein. Sich selbst wahrzunehmen. Die Welt um einen herum wahrzunehmen. Realitäten wirklich zu erkennen. Einfach da zu sein, intensiv zu leben.

Viele Menschen sind zu sehr in ihrer inneren Welt, in den scheinbaren Notwendigkeiten des Alltags und nicht zuletzt in ihren Bewertungen, Zweifeln und Ängsten gefangen, um sich selbst und die Welt um sich herum wirklich wahrnehmen zu können. Ja, ich glaube, daß es (zumindest in unserer Zivilisation) den allermeisten Menschen so geht.

Wenn Du Dir die o. g. Fragen stellst, hast Du zumindest schon mal gespürt, daß da was nicht stimmt. Damit bist Du auf einem guten Weg. Doch dabei stehen zu bleiben reicht nicht. Denn das führt auf Dauer in den Frust.

Nun kommt aber Parkour ins Spiel. Im Parkour bist Du zunächst mal frei. Du hast Dich und Deinen Körper und gehst in direkten Kontakt mit Deiner Umgebung. Keine direkten “Notwendigkeiten” des Alltags. Die Ängste - sehr offensichtlich, damit kannst Du arbeiten. Der Plappermann auf der Schulter mag immer noch da sein, aber gemeinerweise ist Parkour etwas Handfestes, Konkretes, wo Du ein Ergebnis direkt feststellen kannst: Du bist über das Hindernis drübergekommen oder eben nicht.

Im Parkour mußt Du im Moment sein. Dich wirklich auf Dich selbst und aufs Hindernis, auf Deine Umgebung einlassen, sonst legts Dich lang (klare Rückmeldung Freude ). Mit der Zeit wird Dir die Konzentration auf ein Hindernis nicht mehr reichen, schließlich willst Du nicht lernen, ein einzelnes Hindernis zu überwinden, sondern Deinen Weg zu gehen. Du mußt also Deine komplette Umgebung realistisch wahrnehmen. Und Dich mit Dir selbst und Deinen Fähigkeiten auseinandersetzen.

Und wenn Du Dich plötzlich wahrnimmst, dann wirst Du früher oder später feststellen müssen: Du bist!

Damit erübrigen sich dann die o. g. Fragen völlig von selbst.

An diesen Punkt wirst Du aber niemals nur mit Deinem Kopf kommen. Das ist eine Aufgabe, die man mit Nachdenken allein nicht lösen kann. Dafür braucht es eben eine Nutzung all unserer Fähigkeiten. Auch, aber bei weitem nicht nur unserer mentalen Fähigkeiten.

Deshalb vermeide ich inzwischen in Sachen Parkour den Begriff “Philosophie”. Denn dieser klingt so, als würde man begleitend zu dem, was man da tut, mit dem Kopf bestimmte Dinge austüfteln. Es geht aber nicht darum, Dinge kopfmäßig zu erfassen - sonst haben wir wieder eine Trennung zwischen dem Kopf, der meint, alles einordnen zu müssen, und dem Körper, der da draußen irgendwie agiert.

Nein, es geht nicht nur um verstandesmäßiges Verstehen. Damit geht es aus meiner Sicht auch nicht, wie Du schreibst, um irgend eine Metaphorik. Es geht drum, Mensch zu werden. Sich selbst zu erleben, die Grenzen des Geistes zu sprengen und wirklich wieder ein vollständiges menschliches Wesen zu werden, das seine gewaltigen Potenziale erkennt, annimmt und nutzt.

Parkour bedeutet, möglichst effizient Hindernisse zu überwinden. Auch diejenigen, die unsere Gesellschaft und unsere Sozialisation aufbauen, die uns von uns selbst abschneiden.

Parkour ist eine Chance, wieder Mensch zu werden.

Lieben Gruß,

Malte

Parkour mit Freerun

…geschrieben im Forum auf Parkour24.de im gleichnamigen Beitrag, 21. Feb. 2007

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Grüß Euch,

die Diskussion ist noch nicht soo alt.Ich greif sie mal auf, denn hier liegt aus meiner Sicht ein wesentlicher Punkt des Parkour.

“Die Technik von Parkour” ist sehr relativ. Was ist diese Technik? Ja okay, es gibt ein paar Grundbewegungen. Aber die alleine machen Parkour noch nicht zu Parkour.

Den Fehler machen nämlich viele - einfach nur einige Bewegungen trainieren. Ist schade, denn damit reduziert man sich selbst. Parkour ist soo viel mehr…

Wenn ich gerade mal Hebertiste zitieren darf, aka Erwan, der zu den konstruktivesten Leuten im Parkour.net-Forum gehört:

“If parkour to you is only reproducing specific moves you’ve seen on vids, you’re totally missing the point, because you’re just limiting your practice to what you think it is. But parkour is not only the moves you can put a name on, guys wake up !” - Hebertiste in: http://parkour.net/modules/newbb/viewtopic.php?topic_id=3751&forum=1

übersetzt ungefähr: “Wenn Parkour für Dich nichts anderes ist als bestimmte Moves zu machen, die Du in Videos gesehen hast, dann verfehlst Du das, worum es geht- weil Du Deine Praxis auf diese Bewegungen limitierst. Doch Parkour besteht nicht nur aus den Bewegungen, denen Du einen Namen geben kannst. Leute, wacht auf!”

Parkour ist so viel mehr, als irgend welche Techniken zu trainieren. Parkour ist die Kunst der effizienten Fortbewegung. Parkour bedeutet, seinen Weg zu wählen und ihn dann zu gehen. Hindernisse (auf der Straße wie im eigenen Alltag) kreativ anzugehen und zu überwinden. Nützlich zu werden, indem man seine Fähigkeiten ausbaut.

Im Training ist mir wichtig, immer wieder neue Ideen zu finden. Mit den Hindernissen zu spielen. Klar, ich übe auch die Grundbewegungen, ist ein Teil davon. Aber vor allem spiele ich viel mit den Hindernissen. Wie komme ich da drüber? Wie komme ich da noch drüber? Ganz viele Methoden ausprobieren, kreativ werden. Nicht meine Techniken auf das Hindernis anwenden, sondern Methoden entwickeln, die gerade für das Hindernis passen.

Erst letztens habe ich wieder eine Dreiviertelstunde an einem Geländer verbracht, uns ist immer wieder was Neues eingefallen. Oder letztens am Spielplatz eine halbe Stunde an einer Schaukel. Durchspringen ohne sie zu berühren. Durchspringen, während sie schwingt. Durchspringenwährend sie schwingt aus dem Lauf heraus, wo man sich die Stellung der Schaukel nicht aussuchen kann. Flugrolle durch die schwingende Schaukel (hab ich mich dann nicht mehr getraut). Unter der schwingenden Schaukel durchrobben. Und was weiß ich was noch alles…

Und ich trainiere auch gezielt, nicht nur ein Hindernis anzugehen, sondern möglichst oft mehrere hintereinander. Im Fluß zu bleiben, spontane Entscheidungen zu treffen. Nicht nach jedem einzelnen Hindernis stehen zu bleiben.

Kurz und gut: Parkour ist VIEL mehr als nur die Techniken, die Grundbewegungen.

Daß Parkour im wesentlichen auch vom mentalen Anteil geprägt ist (der eh nach Videos kaum objektiv zu beurteilen ist), ist ja bekannt. Was dazu gehört, weniger. Gute Stichpunkte hier sind eben effiziente Fortbewegung, Kunst, Nützlichkeit, das Überwinden von Hindernissen auch im Denken, Umgang mit Angst, Verantwortung. Und noch so einiges mehr.

Bezüglich eines Videos von den “Grundbewegungen” auf die “Parkourtechnik” zu schließen ist also an sich schon recht weit hergeholt.

Und dann die Relation zwischen Freerunning und Parkour… im Parkour geht es ja um die effiziente Fortbewegung, das hat sich so weit rumgesprochen. Flips und andere akrobatische Einlagen haben nichts mit effizienter Fortbewegung zu tun, sind also kein Parkour. Trainieren kann man sie natürlich trotzdem, sind schon nett für die Körperkontrolle etc. Flips kann ich nicht und trainere ich nicht, Handstand dagegen (obwohl auch keine effiziente Fortbewegung) trainiere ich recht intensiv, und kann das auch empfehlen, da gute Basis für vieles.

Manche Leute meinen, sobald mal ein Flip in einem Video ist, ist es damit automatisch kein Parkour mehr. Das ist mir persönlich zu dogmatisch. Klar, Flips sind kein Parkour. Doch solange

- effiziente Bewegungen ganz deutlich den Hauptteil eines Videos ausmachen;
- einige wenige akrobatische Elemente nicht für die Show, sondern aus Freude an der Körperbeherrschung eingebaut werden;
- generell keine Show, sondern Kunst der Fortbewegung rüberkommt;
- und überhaupt die Herangehensweise und Lebenseinstellung des Parkour sichtbar wird,

Ist es für mich Parkour, auch wenn mal ein Flip drin ist. Ich selbst nenne es dann “Parkour plus T” (T = Tricks), um es sprachlich klar zu differenzieren. Oder ich sage halt, da ist Parkour, wo jemand noch einen Flip mit eingebaut hat.

Wenn aber

- die Tricks ein wesentliches Gewicht im Video gewinnen;
- das Richtung Show zielt;
- jemand immer nur einzelne Hindernisse angeht und wohlmöglich danach direkt stehenbleibt;
- mehr gemacht wird, als für den Körper zumutbar ist (passiert leider oft);
- die Herangehensweise und Lebenseinstellung des Parkour nicht rüberkommt,

ist es für mich auch kein Parkourvideo.

Kurz zusammengefaßt: Parkour ist mehr als paar Bewegungen, die in einer Liste von Grundbewegungen auftauchen mögen. Es ist zwar gut, diese Bewegungen zu trainieren - aber auch, sich davon zu lösen.

Steven aus der Schweiz - definitiv einer der fittesten Traceure im deutschsprachigen Raum - soll kürzlich auf dem PSP-Workshop in Berlin gesagt haben:

“Hört auf, Bewegungen zu trainieren, und lernt Euch zu bewegen”.

Geiler Satz, bringts in aller Kürze auf den Punkt. Noch mal zum Mitschreiben:

“Hört auf, Bewegungen zu trainieren, und lernt Euch zu bewegen”.

DANKE an Steven für diesen Augenöffner…

Lieben Gruß,

Malte

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Ergänzung auf einen Beitrag, noch am selben Tag:

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Unsere Gesellschaft funktioniert leider so, daß man ständig bewertet und verglichen wird, gerade auch in der Schule. Mit der Zeit übernimmt man das sehr leicht. Und will immer “besser” sein. Viele Leute wollen gleich schon sein und nicht werden. Dabei ist gerade das Werden, die Entwicklung, unglaublich spannend…

Diese ewige Fixierung auf die Bewertung ist aus meiner Sicht eines der mentalen Hindernisse, die es im Parkour zu überwinden gilt.

Denn wir lernen oft, unser Selbstwertgefühl daraus zu ziehen, wie toll wir doch sind und wie gut wir andere damit beeindrucken können, daß wir “besser” sind als sie.

Wenn Du genau hinguckst: welch ein armseliger Blödsinn! Jeder Mensch ist an sich bereits ein Kunstwerk der Natur. Jeder Mensch hat unglaubliche Potenziale und Fähigkeiten, und mit etwas Neugierde auf sich selbst und viel Ausprobieren kann man diese Potenziale entwickeln.

Und dann kommt auch der Selbstwert aus sich selbst heraus. Dann hat mans nicht mehr nötig, sich mit Anderen zu vergleichen. Und kann plötzlich viel entspannter mit Menschen umgehen, weil man nicht mehr auf Wettbewerb und Vergleiche angewiesen ist.

Dirk aus Köln, ebenfalls recht erfahrener Läufer (vgl. Aktuelle-Stunde-Beitrag) hat das mal wunderschön auf den Punkt gebracht:

“Im Parkour geht es nicht darum, ob ich besser bin als jemand anders. Es geht darum, ob ich besser bin als letzte Woche.”

Ich selbst bin seit einem Jahr dabei. Ich sehe andere Leute, die kürzer dabei sind und mit einem tollen Talent und viel Training mich in den Skills bereits weit überholt haben. Bin ich deswegen schlecht? Nein. Was sind schon die Skills. Ich gehe meinen Weg durch mein Leben. Und diesen Weg gehe ich recht erfolgreich, ich bin mit mir zufrieden. Und Kay, der wesentlich kürzer dabei ist, macht viel weitere Katzensprünge als ich. Hey, was freu ich mich für ihn! Da hat er auch richtig kräftig für gearbeitet. Schön zu sehen, wie er sich macht. Ich trainier echt gern mit ihm. Oder mit Toby, der tierisch Kraft aufgebaut hat und mit dieser einen unglaublich weichen Stil läuft. Das macht richtig Spaß, ihm dabei zuzusehen, und ich lern jedes Mal von seinen vielen Ideen.

Wenn ich jetzt in der Ecke stehen und mich ärgern würde, daß die alle so viel besser sind - ich hätte weniger Spaß, würde weniger von den Anderen lernen, würde mein Wohlergeben von Anderen abhängig machen. Mir würds doof gehen, ich würde mich aus Ehrgeiz im Training vielleicht überfordern und mich leichter verletzen. Und hätte definitiv keinen so guten, entspannten Draht zu genau diesen Leuten, von denen ich jetzt so viel lerne…

Ich gehe meinen Weg. Und ich freue mich, wenn andere die ihren finden. Was sollen die ganzen Vergleiche…

Lieben Gruß,

Malte

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Und noch weiter, auch am selben Tag:

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Danke für den Hinweis.

Eigentlich geht es nicht um den Vergleich an sich, sondern um die Wertung dahinter.

Natürlich schau ich auch: was machen andere anders als ich, um neue Ideen zu bekommen.

Nur, wenn man anfängt, sich deswegen toll oder mies zu fühlen, stimmt da was nicht. Ist nur in unserer Gesellschaft reichlich verbreitet.

Muß zugeben, daß ich mich selbst noch nicht 100% davon gelöst habe. Aber ich gehe sehr bewußt damit um, und kann da schon recht gut differenzieren. Und ist schon viel entspannter geworden bei mir.

Lieben Gruß,

Malte

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Das Gemeine ist: je mehr ich mir um so was Sorgen mache, desto weniger komm ich voran.

Klingt seltsam? Ist aber so.

Wenn ich für mich trainere, eine Leidenschaft entwickle, werd ich sehr schnell besser, was auch immer es geht.

Wenn ich den Blick immer drauf habe, wer sonst noch gut ist, stehe ich selbst unter Druck. Ich arbeite dann nur noch, um Anderen zu genügen. Weniger Freude, weniger Fortschritt…

Wir haben in der Schule gelernt, daß man arbeiten muß, um dieses und jenes zu erreichen - gute Noten, keinen Ärger, Anerkennung und was weiß ich was. Da geht es nicht um die Sache an sich, sondern um das, was man dafür bekommt. Die Psychologen nennen das “sekundäre Motivation”.

Wie viel schöner und effizienter aber ist das Lernen aus Leidenschaft! Was die Psychologen “primäre Motivation” nennen, das Lernen aus Interesse an der Sache selbst. Gitarre, Parkour, Wildnistraining - die Sachen, die ich recht gut kann, hab ich alle nicht unter Druck, sondern aus Leidenschaft gelernt. Erst da beginnt dann auch Meisterschaft, wenn mans lang genug macht.

Wenn ich wirklich gut werden will, tu ich gut dran, nicht nur auf die Anderen zu schauen. Sondern vor allem die Dinge für mich selbst zu tun.

Lieben Gruß,

Malte

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