Archive für 12.3.2008

Kreativer Ausdruck und Bewegungskunst

Ein Hindernis ist wie eine Leinwand die man auf unterschiedlichste Weise gestalten kann, wie ein Künstler erschafft man etwas, nur in Form von Bewegung.” - Jason, August 2006 im Forum von parkour.de

Kreativer Ausdruck ist ein Aspekt von Kunst, auf den sich vor allem das Freerunning beruft. Für Traceure ist das aber auch nicht uninteressant - zum einen vermischen sich in den individuellen Trainingsstilen Parkour und Freerunning ohnehin mehr, als so mancher wahrhaben will, andererseits gehört dieser Aspekt von Kunst m. E. eigentlich in jede Handlung, sei es Alltag, Sporttraining oder Tanzstunde.

Aber was ist kreativer Ausdruck eigentlich? In der allgemeinen Forendiskussion ist das fast ausschließlich ein Schlagwort, was begründet, daß man sich nicht nur an Effizienz orientiert, sondern auch artistische Einlagen mit einbaut. Darüber hinaus scheint mir dieser Begriff in den meisten Diskussionen eine leere Worthülse zu sein. Dabei ist das, was dahintersteht, eigentlich gigantisch und ein m. E. mehr als bedeutender Aspekt von Kunst an sich und Lebenskunst im Besonderen.

Ausdruck bedeutet zunächst, etwas innerlich Vorhandenem eine reale Form zu geben. Ich kan mit Worten etwa ein Gefühl ausdrücken. Das kann ich rein inhaltlich tun, indem ich beschreibe, was ich fühle. In der Regel wird das aber nur ein Abbild meines Gefühls sein und kein vollständiger Ausdruck. Ein lautes Lachen, ein Weinkrampf, ein lautes Stöhnen oder ein genußvolles Räkeln in der Sonne wird in der Regel mein Gefühl erheblich besser in die Realität umsetzen als das reine Wort. (Übrigens neigen besonders negative Gefühle durch direkten, aber nicht überzogenen Ausdruck dazu, sich schneller aufzulösen).

Sich ausdrücken in dem Sinne also meint, dem, was in mir vorgeht, einen Ausdruck zu schaffen, es zu manifestieren. In der Regel wird der Körper das dazu verwendete Medium sein. Was dabei passiert, ist vor allem eine komplette Integration des Menschen - ein Gefühl bleibt nicht nur auf der emotionalen Ebene, sondern drückt sich auch im Körper aus.

Wie oft doch schneiden wir uns von unserem Potenzial ab. Wie oft meinen, wir, Probleme nur mit dem Kopf, nur mit emotionalen Ausbrüchen oder nur mit dem Körper lösen zu müssen. Ja, wie oft handeln wir völlig anders, als wir eigentlich denken und fühlen. Der “Freund”, mit dem ich höflich telefoniere, obwohl ich nun wirklich gerade keinen Bock auf den habe. Oder wie oft hab ich schon unwillig Sachen getan, aus Höflichkeit oder weil ich mich nicht traute, Nein zu sagen - obwohl ichs gar nicht wollte?

Ein Schauspieler ist genau dann gut, wenn er die Rolle gut fühlt und das ausdrücken kann. Musik wird (für mich) genau dann gut, wenn sie nicht nur leise und laute Töne korrekt harmonisch aneinanderreiht, sondern Musiker und Zuhörer berührt. Bewegung wird für mich zur Kunst, wenn jemand nicht nur seinen Körper bewegt und emotional unbeteiligt bleibt, sondern wirklich voll mit Kopf, Herz und Hand bei der Sache ist.

Vielleicht ahnst Du langsam, was ich meine mit “kreativem Ausdruck”. Eben Körper, Geist und Emotionen miteinander zu verbinden. Raum geben, daß sich das, wonach ich mich fühle, sich in meinem Handeln ausdrücken kann. Eigentlich ist das mit die größte Freiheit, die es gibt. Und setzt ein ungeheures Potenzial frei. Leute, die das, was sie machen, mit Leidenschaft und Hingabe (neben der notwendigen Bedachtsamkeit) tun, werden sich erheblich leichter, besser, ausdrucksstärker bewegen als Leute, die nur ihren Körper bewegen. Ja, ich rede hier von Leidenschaft, von Hingabe, von Voll-bei-der-Sache-sein, von die Sau rauslassen ebenso wie von leisen Tönen - was halt gerade so anliegt. Ausdruck! Das tun, was gerade anliegt. Das, was da ist, Wirklichkeit werden lassen. Das braucht Größe - wer sich selbst ausdrückt, nimmt sich nicht um jeden Preis zugunsten von Anderen zurück (was nicht heißt, daß er das reine Arschloch werden muß - wenn er nicht ganz gefühlskalt ist, wird er auch Freundschaft und Nähe viel intensiver empfinden und ausdrücken können). Kreativer Ausdruck heißt, seine eigene Größe annehmen, seine Freiheit in Anspruch zu nehmen, man selbst zu sein.

Kreativer Ausdruck ist oft das Argument des Freerunning. Aber einen Salto oder Wallspin zu machen muß noch lange nicht kreativer Ausdruck sein. Kreativer Ausdruck wird sich sicherlich nicht auf einige wenige einstudierte Techniken beschränken. Sich auszudrücken heißt Lebendigkeit zu leben.

Das kann mit Sicherheit sehr unterschiedlich aussehen. Das kann sich in Bewegung à la Parkour, FR oder Yamakasi ausdrücken. Das kann aber genauso gut auch in sehr stiller Form passieren. Alles zu seiner Zeit.

Wie genau geht kreativer Ausdruck? Und was gibts eigentlich auszudrücken? Genau an diesem Punkt schick ich Dich los zum Ausprobieren - denn diese Antworten kannst Du nur für Dich selbst finden.

Freue mich auf Deine Rückmeldungen.

Lieben Gruß,

Malte

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