Hindernisse

Hallo,

Ein paar Worte zu Parkour, Hindernissen und Alltag.

Parkour ist ja eine Kunst, die sich unter anderem mit dem effizienten Überwinden von Hindernissen beschäftigt. Immer wieder wird auch betont, dies lasse sich auf das eigene Leben, auf den Alltag übertragen; entweder durch Nutzung als Sinnbild für den Alltag oder eben als Training im Umgang mit schwierigen Situationen; beides stimmt, doch wie funktioniert das?

Hast Du mal beobachtet, wie Menschen im Alltag mit Hindernissen, sprich: Problemen aller Art umgehen? Denn solche gibt es im Alltag eines Jeden mehr oder weniger. Was kann nicht alles zum Hindernis, zu einer einschränkenden Schwierigkeit werden: große Berge an Arbeit, die von uns in Schule, Studium/Ausbildung oder Job verlangt werden, die uns manchmal über den Kopf wachsen mögen. Alle möglichen Regeln, Normen, Erwartungen. Die Vielzahl der Dinge, die unsere Aufmerksamkeit fordern und uns kaum Zeit für uns lassen. Das Finanzloch auf dem Konto. Der eigene innere Schweinehund, der mich dieses oder jenes nicht umsetzen läßt. Eltern oder Chefs mit ihren Forderungen und Reglementierungen. Krankheiten. Oder was auch immer – die Liste möglicher Schwierigkeiten ist lang.

Wie gehen nun Menschen mit solchen Schwierigkeiten um? Schau Dich mal um, bei anderen Menschen und bei Dir selbst: was für mögliche Verhaltensweisen gibt es?

Ich nenne im Folgenden mal einige; diese Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig und bedarf dringend einer Ergänzung.

Wenn Hindernisse der oben genannten Art im Alltag auftauchen, dann gibt es Leute, die diesen Hindernissen ausweichen. Die die Probleme nicht angehen. Die die Probleme einfach bestehen lassen, sich mit anderen Dingen beschäftigen und nichts an den eigentlichen Gegebenheiten ändern.
Dann gibts Leute – eine Steigerungsform davon – die die Probleme kleinreden oder sie einfach ignorieren oder einfach das Problem wegdefinieren („eigentlich war mir die Lohnerhöhung ja sowieso egal“). Oder, noch grandioser: das Problem an sich wegzudefinieren und einfach so zu tun, als sei da gar nichts – um dann genau reinzulaufen.
Andere Leute wiederum versuchen gar nicht erst, das Problem anzugehen und resignieren einfach, ohne es wirklich versucht zu haben. Meist mit einer Mischung aus Trauer und Gleichgültigkeit. Oder, noch heftiger: sie stehen vor dem Problem, fühlen sich völlig überfordert, weil es so groß erscheint, und machen gar nichts.
Dann gibts die ganz Ungestümen. Die sich auf das Problem werfen, kämpfen, es niederringen. Im Alltag heißt das, die werden massiv und streiten gegen jeden, der sich ihnen in den Weg stellt. Klagen bei jeder kleinen Chance juristisch gegen „Feinde“. Oder nutzen andere Methoden, das Problem gewaltsam zu eliminieren. Wenn man sie drauf anspricht, daß das nicht die beste Lösung sei, wird man hören: wieso, ich habs doch geschafft?

Andere Leute wiederum sind ganz schnell mit Urteilen dabei – verurteilen das Hindernis oder gar sich selbst. Können stundenlang schimpfen und wettern und darüber klagen, daß sich ihnen da was in den Weg stellt.

Was gibts noch? Natürlich die Leute, die einfach drauflosstürmen, sich aufs Problem stürzen, hauptsache Power, und dann irgendwie schauen, daß sie durchkommen. Und die, die sich die Sache einfach ansehen und dann tun, was ihnen notwendig erscheint.

Ja, dies sind nur einige Beispiele. Welche davon aber sind sinnvoll? Hier kommt Parkour ins Spiel, denn Parkour hat die unglaublich geile Eigenschaft, sehr direkt, unmittelbar und ehrlich zu sein. Denn in den meisten Fällen hat keine der oben genannten Handlungsweisen SO unmittelbares Feedback, daß man ihren Erfolg danach beurteilen könnte. Unser Alltag ist oft sehr komplex, Richtig und Falsch sind oftmals sehr relativ. Im Parkour dagegen werden die Sachen deutlich: Du bist drüber oder eben nicht, und Du hast Dich dabei auf die Schnauze gelegt oder eben nicht. Das ist sehr deutlich und unmißverständlich. Deswegen untersuchen wir mit Hilfe des Parkour einfach mal sämtliche oben aufgeführten Verhaltensweisen.

Stell Dir vor, Du stehst vor einer Mauer. Stabil, guter Grip, vielleicht brusthoch. Mit etwas Übung kein Problem, da drüberzukommen. Diese Mauer versperrt Dir den Weg, den Du gerade zu gehen beabsichtigst. Was also kannst Du nun tun?

Schauen wir doch mal, was mit den oben beschriebenen Handlungsweisen jeweils passieren würde. Ich nehme dieselbe Reihenfolge der Verhaltensweisen wie oben.

Diejenigen, die ausweichen, werden feststellen: aha, da gehts nicht weiter. Also binden sie sich vielleicht erst mal die Schuhe zu, nehmen sich einen Schluck zu trinken und grübeln vielleicht was jetzt zu machen sei; nach einiger Zeit wird so einer weggehen und das, was er hinter der Mauer zu tun hatte, eben unerledigt lassen oder auf später verschieben.
In der Steigerungsform würde so ein Mensch vor der Mauer stehen, wahrscheinlich ein wenig damit hadern, daß sie da ist, und schlußendlich erklären, das da hinter der Mauer sei für ihn ja eh unwichtig und er habe da eigentlich nie hingewollt.
Oder noch grandioser: einfach völlig zu ignorieren, daß da eine Mauer ist, und trotzdem da langzulaufen – immer wieder gegen die Mauer gegen. Und auch wirklich immer wieder – denn schließlich ist da nach der eigenen Definition nichts, was einen aufhalten könnte.

Resignieren oder sich überfordert fühlen ist auch häufig anzutreffen. Das sind dann die Leute, die vor der Mauer stehenbleiben, den Kopf hängen lassen, sich hilflos fühlen und dann resigniert abdrehen, wahrscheinlich erfolglos drüber nachsinnend, ob sie nicht einfach hinter der Mauer wen anrufen können, der die Sachen für sie erledigt oder wasweißich. Oder, noch geschickter, der Weg der Überforderung: man hocke sich unmittelbar vor die Mauer, nähere sich, so daß die Augen nur noch höchstens dreißig Zentimeter von der Wand entfernt sind. Was hat man dann im Gesichtsfeld? Natürlich, überall nur Mauer. Kein Wunder, wenn man sich hilflos und klein fühlt, wenn das Problem so übermächtig zu sein scheint. Oder? Da kann man doch nur verzweifeln?

Die Methode des Kampfes ist auch immer mal wieder zu beobachten. Am Beispiel der Mauer hieße das: ich besorg mir ne Spitzhacke, oder noch besser einen Preßlufthammer. Oder gar einen Bagger. Und dann nichts wie drauf auf die Wand, weg damit, stört doch eh. Immer feste druff, bis sie so kaputt wie möglich ist. Und da ich ein gründlicher Mensch bin, zerstöre ich die Mauer nicht nur so, daß ich durchkomme, sondern gleich völlig und ganz. Ja, und wenn Du dann so einem Baggerfahrer ins Gewissen redest und ihm sagst, das wäre doch auch sanfter gegangen, wird er, in den Trümmern stehend, Dir stolz sagen: wieso, hat doch funktioniert, ich bin doch durch?

Urteile sind auch klasse. Funktioniert so: ich komm an die Mauer, stelle fest, daß mir da was im Weg steht, und werd erst mal sauer. Oder weinerlich. Stelle mich vor die Wand, trete dagegen, schimpfe oder weine. Verurteile die Wand, find sie reichlich blöde, schimpfe auf die Leute, die diese Wand erbaut haben und finde garantiert tausend Argumente, warum es blöde war, die gerade da hinzubauen. Oder aber ich finde Argumente dafür, warum ich unfähig bin. Weil ich etwa den Weg falsch geplant habe. Auf die Idee, über die Mauer zu klettern, komme ich so aber bestimmt nicht – das wäre zu einfach, das wäre ja eine Lösung. Viele Menschen stecken so in ihren Problemen fest, daß sie Lösungen gar nicht sehen mögen.

Was war da noch? Ach ja, die Unbedachten. Die, kaum daß sie die Mauer wahrgenommen haben, sich schon auf Selbige stürzen. sich irgendwie dagegen schmeißen und schauen, was passiert. Vielleicht knallen sie einfach nur dagegen und müssen feststellen, daß sie nicht durchkommen. Vielleicht bekommen sie mit etwas Geschick denn doch die Mauerkrone zu fassen und können sich irgendwie drüberschwingen. Wie sie dann auf der anderen Seite aufkommen, ist allerdings schon wieder Glückssache – mit viel Glück kommen sie tatsächlich unbeschadet rüber. Und sind dann ganz stolz auf ihre Künste – denn sie haben ja funktioniert.

Und dann gibts noch die, die sich die Mauer kurz, aber gründlich und sachlich ansehen und halt drüberklettern. Oder beim Angucken feststellen, daß da etwas weiter rechts ein Durchgang ist, den man problemlos benutzen kann.

So betrachtet klingt vieles davon reichlich skurril, oder? Dabei habe ich nichts anderes getan, als einfach und ohne Übertreibung ganz normale, alltägliche Verhaltensmuster, die sich bei vielen Menschen beobachten lassen, auf eine einfache Parkoursituation zu übertragen. Wie gesagt, Parkour ist in einem gewissen Sinne sehr direkt und ehrlich – gewisse Dinge werden daran sehr deutlich.

Wenn aber diese Dinge so skurril sind, warum tun wir das dann ständig?

Vielleicht wird jetzt auch verständlich, in welcher Weise Parkour genutzt werden kann, um auch ein Bewußtsein für den Umgang mit Alltagssituationen zu bekommen.

Übrigens sind mir einige der genannten Situationen im Parkour sogar auch schon begegnet. Das mit dem Urteilen, das Irgendwiedrauflos und einige andere Dinge sind soo selten gar nicht mal im Umgang mit Hindernissen, auch im Parkour.

Parkour hat die Kraft, solche Dinge in ihrer ganzen Skurrilität sichtbar zu machen – wenn man drauf achtet und sich für Erfahrungen dieser Art öffnet. Und damit bekomme ich die Möglichkeit, mir die Vielfalt möglicher Reaktionen anzusehen und vertraut zu machen – udn dann jeweils, im Parkour wie im Alltag, bewußt entscheiden zu können, welches Mittel ich nehmen mag. Frei ist, wer die Wahl hat – viele unserer Verhaltensweisen sind mehr oder weniger automatische Reaktionen, Muster, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben. Indem wir diese erkennen, können wir auch Alternativen prüfen, bewußter durch den Alltag gehen – und gewinnen damit erheblich an Freiheit. Denn in den allermeisten Fällen haben wir erheblich mehr Wahlmöglichkeiten, als wir meinen. Ob die Mauer da steht oder nicht können wir uns zwar nicht aussuchen. Wie wir mit dem Fakt der dort existierenden Mauer umgehen, können wir allerdings sehr wohl beeinflussen. Und nur zu oft wird dann erkennbar sein: auch wenn mir gerade ein Bagger fehlt, kann es sehr wohl Möglichkeiten geben, diese Mauer zu überwinden.

So, genug gelesen. Raus jetzt ins Leben – und glaub mir ja nichts. Überprüfe meine Worte, wenns Dich interessiert, teste, widerlege oder verifiziere das, was ich schreibe. Wenn Dus mir einfach nur glaubst, hast Du nciht wirklich Einsicht erreicht. Die kann ich Dir nicht abnehmen, das mußt Du schon selbst tun.

Ich bin gespannt, von Deinen Erfahrungen zu hören.

Lieben Gruß,

Malte

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6 Kommentare zu Hindernisse

  1. Trickstar sagt:

    Und dann gibts noch die, die werden wie Wasser, nachgebend, aber doch mit einer unglaublichen Kraft, sanft, aber konstant, umschmeichelnd und doch überwindend. Sie verstehen die Mauer nicht als Problem, denn das Wasser schert sich nicht um die Felsen in der Brandung. Sie begreifen das Problem als eine Chance, ein Mittel um sich selbst weiterzuentwickeln, und gehen es mit viel Hingabe und Ausdauer an. Sie schauen nicht auf das Ziel, und nicht auf den Start, sondern verstehen den gesamten Prozess als eine einzige Einheit. Sie unterscheiden nicht zwischen dem Ich und dem Hindernis, sondern sehen die Einheit der beiden, und die Möglichkeiten die aus dieser Einheit entstehen (bzw. die eigentlich schon immer da wahren, nur aus der anderen Perspektive nicht gesehen wurden).

    Ca, c’est le vrai parkour 🙂

  2. parkourblog sagt:

    Hallo,k Trickstar,

    hast schon recht, die gibt es auch noch. Aber da ich von Standards sprach, hab ichs rausgelassen – es gibt viel zu wenige, die so handeln. Ich selbst kenne vielleicht zwei, drei solche Menschen. Und ich kenne verdammt viele.

    Mal ehrlich: so, wie Dus beschreibst, ist das stark idealisiert. Ist ein gutes Leitbild, ja, aber die wenigsten Menschen haben das für sich umgesetzt, auch wenn es viele von sich behaupten würden.

    Zumal dieser Zustand in der Regel unglaublich idealisiert wird. Ich hab ihn mal kennenlernen dürfen: wenn Du drin bist, fühlt sich der gar nicht besonders an. Er IST einfach, und natürlich genießt man das Dasein, aber man hat nicht das Bewußtsein dafür, daß das was Großartiges ist. In dem Moment, wo Du drüber nachgrübelst, wie sehr Du gerade im Fluß bist, bist Dus gar nicht! Oder grübelt das Wasser darüber nach, wie schön es gerade fließt?

    Eben unsere Gedankenwelt ist es ja, die diesen Zustand verhindert. Unsere Gedanken sind immer ganz geschickt darin, uns irgend etwas Optimales zu suggerieren. Aber das ist ein Hirngespinst, nicht mehr.

    Mach mal den Realitätstest. Sei mal schön im Fließen (haha – wie geht das eigentlich? Kann man das eigentlich auf Komando?) Und dann mach mal Parkour. Stell Dich vor die Wand und überwinde sie. Und dann schau zurück: bist Du wirklich Deinen Weg einfach gegangen oder hast Du nicht diese Bewegung eben gemacht, WEIL da gerade die Wand Dich so schön angelächelt hat? War es Dir wirklich so egal wie dem Wasser, ob da nun ein Hindernis ist oder nicht? Hast Du Dich, wie das Wasser, beim Umschmeicheln des Hindernisses wirklich kein bißchen angestrengt? A propos, wenn Du Wasser bist, wofür genau machst Du dann Krafttraining?

    Meine Erfahrung: bereits die geringste Spur einer Absicht verhindert, daß man wirklich in den Fluß kommt. Im Fluß handelt man einfach, eben wie das Wasser – das Wasser ist ein verdammt gutes Bild dafür. Das Wasser handelt nicht absichtlich, nicht reflektierend. Es IST einfach und folgt dem, was gerade anliegt. Und mit der Haltung umschmeichelt es tatsächlich die Felsen in der Brandung. Das weiche Wasser bricht den Stein.

    Allein die Absicht, Parkour machen zu wollen, verhindert das Fließen. Allein der Wunsch, genau diese Mauer jetzt zu überwinden, ist eine Fixierung, ist mehr als einfach das Tun, was anliegt.

    Vielleicht verstehst Du jetzt ein bißchen mehr, warum ich mit Parkour aufhöre. Gerade in letzter Zeit habe ich mich viel mit eben diesem Fließen beschäftigt.

    Mach den Realitätstest noch ein Schrittchen weiter. Übertrage das Verhalten auf den Alltag, wie ich es oben getan habe. Was würde es bedeuten, wie das Wasser zu fließen? Was passiert dann mit Alltagsproblemen? Wie gehe ich dann damit um? Gibt es dann überhaupt noch Sorgen, Probleme, Schwierigkeiten? Gibt es dann noch Unklarheit über den eigenen Weg, nicht wissen, was man tun soll oder nicht? Gibt es dann noch Kampf gegen irgendwas, gibt es dann noch Grübeln in irgend einer Form? Oder Stillstand? Überhaupt eine Absicht? Oder irgend etwas zu „müssen“ (was auch immer das sein mag)? Mein lieber Trickstar – solltest Du für Dich in Anspruch nehmen, das mit dem Fließen wie Wasser geschnallt zu haben, dann schau mal in Deinem Leben nach, ob da wirklich alles fließt. Und wenn nicht, dann zieh die Konsequenzen, sprich: brings ins Fließen. Oder sei ehrlich genug zu Dir, festzustellen, daß es eben noch nicht so ist – was ja auch nicht an sich schlimm ist.

    Vielleicht verstehst Du jetzt, daß das, was Du beschrieben hast, aus meiner Sicht ein reines Ideal ist, zwar erstrebenswert, aber in der beschriebenen Form eben ein Konstrukt – und daß ichs deswegen nicht mit reingenommen habe.

    Freue mich über jeden Austausch zu dem Thema; es ist ein Spannendes, und erheblicher Teil meiner aktuellen Richtung.

    Lieben Gruß,

    Malte

  3. Trickstar sagt:

    Jo, Gedanken gehen dann nicht mehr. Aber was du mit Überidealisieren meinst, weiß ich nicht. Nur weil es sehr wenige gibt die es erreichen, sollte einen doch nicht abhalten es anzugehen.

    Stimmt, in dem Zustand kann man kein Parkour machen, weil man nicht mehr der Handelnde ist, sondern ein Teil der Welt. Aber wozu braucht man dann noch Parkour, Bewegung ist dann natürlich, und ich glaube, das es genau das war was David Belle im Kopf hatte.

    Ich habe nicht behauptet, dass bei mir alles in Ordnung ist, aber ich habe auch nicht behauptet eins mit der Welt zu sein. Dennoch sehe ich das als Ziel. Ich habe mein Kommentar schlecht formuliert, du hast das was ich beschrieben habe nicht „vergessen“, aber ich wollte darauf hinweisen, dass es das auch noch geben kann.

    Für mich ist das Thema jeden Tag aktuell, und ich bin damit aufgewachsen, und ich finde es echt interessant dich getroffen zu haben und mit dir drüber reden zu können.

    lg

  4. parkourblog sagt:

    Grüß Dich, Andreas,

    sollte gar kein Angriff gegen Dich persönlich sein, und kein „outen“ oder so, sondern eine Anregung…

    Klar, ich halts auch für gut, diesen Zustand anzustreben. Allerdings habe ich für mich die Erfahrung gemacht: in dem Moment, wo ich diesen Zustand noch suche, BIN ich nicht da. Erst, wenn man aufhört zu suchen und anfängt, einfach zu SEIN; wird man da ankommen.

    Daß es wenige gibt, dies erreichen, ist gerade kein Grund, es nicht anzugehen. Denn eigentlich ist dieser Zustand höchst menschlich, und er steckt in jedem von uns. Wir haben es nur meisterlich gelernt, uns davon abzuschneiden. „Erleuchtung“, wenn Du es so nennen willst, können nicht nur Auserwählte finden. Jeder von uns hat das Zeug dazu. Wenn man mal bewußt versucht, einfach zu SEIN (nicht nur, das zu spielen, sondern das wirklich zu sein), wird einem aber schnell bewußt werden, wie leicht wir uns selbst von diesem Zustand abbringen. Warum auch immer.

    „Überidealisieren“ – damit meine ich, daß das oft als großartiger Zustand beschrieben wird, blumig ausgeschmückt mit vielen großen Bildern. Es ist auch was Großes, aber fühlt sich eben nicht so großartig an. Wenn Du genau hinguckst, hab ich diese Herangehensweise im Artikel oben durchaus drin – nur eben so unspektakulär formuliert, wies eben ist. Der Sachverhalt ist der Gleiche – Wu Wei, falls Dir das was sagt.

    Dennoch bin ich durchaus dankbar für Deinen Hinweis – eben weil er das Thema aufgeworfen hat. Und ja, das Bild mit dem Wasser finde ich durchaus passend.

    Das Suchen loslassen, um dem Finden Platz zu machen – das ist eines meiner Themen im Moment. Denn jede noch so gute Theorie ist völlig nutzlos, wenn sie nicht zu einem zufriedenen Leben führt. Ja, noch mehr – im Moment schnallen viele Menschen, daß es noch mehr gibt da draußen, daß die alltäglichen Selbsteinschränkungen nicht unbedingt notwendig sind. Doch viele bleiben an der falschen Stelle in diesem Erkenntnisprozeß stecken; stellen alles in Frage, was bisher selbstverständlich war (und damit bei aller Unzulänglichkeit auch eine gewisse Orientierung und Sicherheit gegeben hat), finden aber selbst nur einen kleinen Teil des Weges. Sprich, schießen sich aus dem alten Weg raus, ohne einen neuen zu finden. Viele Menschen hängen derzeit eben in dieser Kluft fehlender Orientierung. Deswegen hake ich da sehr schnell nach, wenn jemand gute Einsichten bringt, die aber für sich noch nicht umgesetzt hat (was ich bei Dir so konkret nicht weiß, meine Worte hier sind eher generell als auf Dich persönlich bezogen).

    Zumal man auf die eigentlichen Dinge nicht mit dem Verstand kommen kann und es entsprechend auch nicht jemandem mit Worten mitteilen kann; Unser Intellekt ist halt nur ein kleiner Teil von uns, macht sich aber zu leicht fürchterlich wichtig. Wenn ich jemandem was drüber erzähle, ders selbst nicht erlebt hat, wird er das mit seinem Verstand hören und den Weg selbst nicht finden können. Ich forsche gerade für mich an Alternativen, wie man sich überhaupt über solche Themen sinnvoll austauschen kann; denn das gesprochene oder gar geschriebene Wort hat erhebliche Grenzen.

    Lieben Gruß,

    Malte

  5. Trickstar sagt:

    Hehe, da hab ich wirklich ein bisschen persönlich beleidigt geklungen. Aber ich denke wir verstehen uns in dem Bereich recht gut, und meinen beide dasselbe. Das mit dem Kommunizieren habe ich mich auch gefragt, ich denke es gibt tausend Wege sich diesem Zustand anzunähern, und tausend Formen darüber zu kommunizieren. Aber ob man es erhält, hängt ausschließlich von einem selbst ab, da kann einem niemand helfen. Dennoch ist es nett sich drüber auszutauschen 🙂

    Irgendwer sagte mal „Die Welt _ist_ ohne Sprache, sprachlos würde auch, wer sie verstünde.“ Wu wei beinhaltet auch dieses nicht-handelnde, das tao ist das nicht-benennbare, usw.

    Das Tao, das benannt werden kann ist nicht das ewige Tao!
    Der Name, der ausgesprochen werden kann ist nicht der ewige Name.
    Das Namenlose ist der Anfang von Himmel und Erde.
    Das Namenhafte die Mutter aller Wesen.
    Betrachte das Wundersame des Tao ohne Verlangen.
    Prüfe sein Erscheinen voll Begierde.
    Das Wundersame und sein Erscheinen haben den selben Ursprung
    doch tragen sie verschiedene Namen;
    sie hüllen sich im Dunkeln.
    Das grösste Geheimnis ist das Tor zu allen Geheimnissen.

    Wie soll ich sagen, es gibt Tage da bin ich näher dran, und Tage da bin ich gar nicht dran. Einen starken Intellekt zu haben kann eine ganz schöne Last sein 😉

    ciao

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