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12.7.2007 von parkourblog.
Hallo zusammen,
an dieser Stelle möchte ich einige der häufigsten Lügen aufzeigen, die ich in der deutschsprachigen Parkour-Community immer wieder und seit einiger Zeit beobachte.
Wenn ich hier von Lügen spreche, meine ich keine bewußten, absichtlich begangenen Täuschungen. Nein, die meisten dieser Dinge geschehen unbewußt. Letztlich sind es Dinge, mit denen sich einzelne Menschen selbst belügen. Oder wenn man so will - Situationen, wo Leute anders handeln, als sie selbst als Anspruch formulieren. Wo Ideale und konkretes Tun auseinandergehen.
Besonders anfällig für solche Dinge ist natürlich alles, was mit der Philosophie des Parkour zu tun hat.
Nun denn, ansprechen möchte ich:
1. Respekt
Das Thema Respekt ist wohl das, gegen welches ständig erheblich verstoßen wird. Offiziell ist Respekt Teil der Philosophie von Parkour: Respekt vor Umgebung und Hindernis. Respekt vor dem eigenen Körper. Respekt gegenüber seinen Mitmenschen.
Daß dieser Anspruch existiert, ist gut und wichtig. Parkour bedeutet ein Stück weit, seine eigene Freiheit wiederzufinden. Freiheit bedeutet aber - so verrückt das klingen mag - immer auch Verantwortung. Dnn wir sind nicht alleine auf dieser Welt. Wird einer plötzlich freier als Andere, setzt sich bewußt über Grenzen hinweg, so kann das u. U. Auswirkungen auf andere Menschen haben. Und ja - jeder Mensch ist für seine Handlungen voll verantwortlich.
Daher finde ich Respekt im Parkour absolut wichtig.
Und das nicht nur vom Standpunkt der Verantwortung aus. Auch für den Ausübenden selbst - Respekt ist eine wichtige Brücke hin zu anderen Menschen. Nur wen ich respektiere, mit dem kann ich auf Augenhöhe umgehen, mit dem kann ich wirklichen Kontakt aufbauen. Menschlichkeit geht letztlich nicht ohne Respekt.
Doch die Realität im Parkour sieht anders aus. Um das zu belegen genügt ein Blick in ein beliebiges Parkourforum im deutschsprachigen Raum. Da wird nicht nur gespamt, da wird immer und immer wieder gegen andere Leute persönlich geschossen. Und das nicht nur von Anfängern, die die Philosophie nicht verinnerlicht hätten - sondern gerade auch und massiv immer wieder von Leuten, die bereits wasweißich wie lange im Training sind. Und das nicht in Einzelfällen, sondern im großen Stil.
Traurig, das so zu sehen.
Und, wenn ich noch eins draufsetzen darf: schaut Euch mal die “Big Players” der Szene an. Daniel, der das Forum hostet und den Markenschutz besitzt. Der hoch Medienpräsente Österreicher Andi. Sandra, die offiziell Parkour nach David Belle vertritt. Von denen kann keiner keinen leiden, soweit ich weiß, und da hat es in vielen Fällen verbale Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit bis hin zu Rechtsstreitigkeiten gegeben. Und viele andere hängen mit drin, viel zu leicht läßt sich die Szene polarisieren.
Warum eigentlich?
Wenn Respekt als Umgangsform postuliert wird, aber dennoch auch unter weit Fortgeschrittenen immer und immer wieder Reibereien auftreten, dann KANN da etwas nicht stimmen. Dann fehlt da etwas im Training, was eben zu dieser Form des Respektes führt - oder der Anspruch an sich ist falsch.
Ich bin ohnehin der Ansicht - jegliches Training mit dem menschlichen Potenzial ist vergeudet, wenn das Herz nicht mitwächst.
Parkour ist auch ein persönlicher Reifungsprozeß. Wer auch nach Jahren Training es immer noch nötig hat, einzelgängerisch aufzutreten, andere anzublaffen und unnötig persönlich zu werden, Fronten zu bilden etc., der hat aus meiner Sicht einige ganz wichtige Teile nicht verstanden. Punkt.
2. freie Bewegung
Parkour ist die Kunst der effizienten Fortbewegung. Parkour ist verdammt noch mal nicht die Kunst, sich mit sorgfältig abgemessenem Anlauf hoch konzentriert vor ein krass hohes Hindernis zu stellen, dieses möglichst spektakulär zu überwinden und danach wieder stehenzubleiben.
Es geht im Parkour darum, mit der Umgebung zu spielen. Sich der Umgebung anzupassen, sich frei durch den Raum zu bewegen und dabei etwaige Hindernisse kreativ zu überwinden.
Wenn Du einen fragst, der Parkour trainiert, dann wird er Dir wahrscheinlich so was ähnliches sagen. Warum aber halten sich die meisten nicht dran? Warum trainieren die meisten wirklich nur einzelne Hindernisse? Bei wem gehört Laufen mit zum Training - worum es im Parkour eigentlich geht? Wer trainiert wirklich Anwendung, Kombinationen, Läufe? Wer baut Parkour ganz selbstverständlich in seine Bewegungsabläufe mit ein, wer “lebt” wirklich Parkour?
Die allermeisten trainieren nur einzelne Bewegungen. Nein, nichts gegen Techniktraining, ist eine nette Grundlage. Aber: wer lernen will, sich frei zu bewegen, sollte genau das AUCH trainieren!
Hab ich die Szene schon beschrieben? Ich ging mal mit einem Trainingspartner durch ein Waldstück, als ein Wildgatter uns den Weg versperrte, vielleicht knapp brusthoch. Drüber durften wir, da ging der Weg weiter. P. spannte seinen Körper an, fixierte das Hindernis, schätzte den Anlauf mit einem Blick ab, sprintete los und flog über das Geländer. Ich hingegen schmunzelte innerlich, ging einfach in meinem normalen Gang weiter und sprang eben am Geländer angekommen ebenfalls über jenes.
P.: *klick* Parkour an, hüpfen, *klick* Parkour aus. Malte: einfach den Sprung eingebaut in den Trott, in dem ich eh gerade war, eben meinen Weg gegangen. Was ist mehr Parkour?
Ganz im Ernst, wie geht eigentlich freie Bewegung? Wie kommt man da hin? Jedenfalls mit Sicherheit nicht, indem man nur einzelne Sprünge trainiert.
3. Parkour ist ungefährlich
Es wird immer wieder Wert drauf gelegt - Parkour ist nicht gefährlich. ODer, wie Andi mal so schön sagte: nur so gefährlich, wie Du es Dir machst. Solange jeder in seinem Rahmen bleibt und nur das macht, was er sicher schafft, ohne Schaden zu nehmen (was nicht nur heißt: kein Krankenheus, sondern auch: ich kann mich in 20 Jahren noch gut bewegen), ist ja alles gut und ungefährlich.
Und offiziell halten sich natürlich alle brav dran.
Aber stimmt das auch? SEHR viele erfahrene Traceure haben sich bereits größere Schäden und Brüche zugezogen. SEHR viele, die auch nur ein paar Monate trainieren, haben Knieprobleme. Macht mal die AUgen auf; hört Euch auf der Straße bei Euren Trainingspartnern um, schaut, was die “Großen” zu berichten haben. Ich kenne genügend Geschichten von Operationen etc.
Schaut hin. Wie viele Leute gibt es, die mehr als ein Jahr trainieren und von keinerlei Schäden zu berichten haben?
Warum ist das so? Das muß durchaus nicht so sein. Es ist kein Automatismus, daß man sich bei Parkour selbst kaputt machen will. Doch ist einiges noch ziemlich heftig drin in den Köpfen. Jugendlicher Übermut, über die eigenen Grenzen zu gehen. Ein bißchen Show noch immer. Ein bißchen sich selbst was beweisen, toll und krass sein zu wollen.
Die Folgen sind da. Kraß find ich, daß viele das so nicht wahrnehmen. Auch Selbstwahrnehmung muß man erst lernen. Wenn die Knie bereits schmerzen, ist höchste Alarmstufe, so weit sollte es gar nicht erst kommen dürfen. Tut es aber leider…
Ehrlich Leute - paßt auf Euch auf.
Anekdote dazu: einst fragte mich in Köln ein Freerunner (einer von der Sorte, der ständig über seine Grenzen geht, anderen Leute blöde Sprüche drückt etc.), ob ich einen seiner Lieblingssprünge nachmachen könne. Das war eine Katze von einem Klettergerüst runter, vom Gerüst über eine Stange in Beckenhöhe und dann zwei Meter abwärts in Sand. Meine Antwort war: “klar schaff ich das, ist ja nicht weiter schwer. Aber warum zum Teufel sollte ich so einen Mist tun?”
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Vielleicht ergänze ich mit der Zeit noch weitere Punkte hier, dieser Artikel ist mit Sicherheit noch nicht vollständig. Ein paar Punkte habe ich bewußt rausgelassen, und auch ich habe mit Sicherheit noch blinde Flecken, wo ich selbst Dinge nicht wahrnehme. Für entsprechende Hinweise bin ich dankbar - denn eben diese blinden Flecke aufzulösen ist mir wichtig.
Lieben Gruß,
Malte
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