Archive für 2.5.2007

Respekt: die Umgebung

Respekt ist ein Thema, welches im Zusammenhang mit Parkour oft genannt wird und m. E. ziemliche Bedeutung hat. Ich werde demnächst ausführlicher über das Thema Respekt als solches schreiben; dies hier ist ein Teilbereich davon, aus aktuellem Anlaß.

- Juni 2006, Parkoursommertreffen Köln: J. springt über ein Geländer und macht einen Armsprung mit viel Wucht an ein zweites, knallt heftigst dagegen. Es ist noch heute locker.

- Juni 2006, Parkoursommertreffen in Köln: teilnehmende Idioten aus einer anderen Stadt beschmieren etliche unserer Trainingshindernisse, darunter auch Häuschen auf einem Kinderspielplatz, mit Edding mit dem Schriftzug “parkour.de”.

- ca. Dezember 2006: in Oberhausen direkt am Bahnhof gibt es eine schräge Mauer, an der sich wunderbar Passe-Murailles überwinden lassen. So ziemlich alle aus der Trainingsgruppe springen dann auf das Dach dahinter. Dieses ist nicht nur privat, sondern auch nur mit Dachpape gedeckt. Aus Erfahrung weiß ich, wie empfindlich diese gegen Reibekräfte und vor allem gegen kleinste Steinchen unterm Schuh ist - und wie teuer Feuchtigkeitsschäden an Dächern werden können. Meine Hinweise zeigen nur geringe Wirkung.

- Februar 2007, Mediapark Köln. Ich war nicht dabei, keine Ahnung, wer das war - aber von einem weiteren Geländer ist eine Querverstrebung abgerissen. Hängt noch heute lose da, Frage der Zeit, bis sie vollkommen abreißt, weil jemand nicht aufpaßt, an der Stelle sogar mit Verletzungsrisiko.

- März 2007, Köln Innenstadt: J. will unbedingt einen Passe-Muraille an einem Fenster eines Geschäftshauses machen. Rennt an der Mauer hoch, um ans Fensterbrett zu kommen, immer und immer wieder. Male mir aus, was das (zu Recht) für Ärger gibt, wenn er das jemals in der Woche macht, wo wirklich mal jemand drin ist.

- April 2007, Köln Außenbezirk: Beim Training macht ein übermütiger Nachwüchsler einen Armsprung an einen unzureichend befestigten Metallzaun, knallt mit voller Wucht dagegen. Daraufhin bricht um die Verankerung herum ein größeres Stück aus der Mauer, die Verankerung an dieser Stelle liegt frei. Dennoch wird der Zaun weiterhin von weiteren übermütigen Nachwüchslern besprungen.

- Mai 2007, Duisburg Landschaftspark: beim Training finden einige tierisch Spaß dran, über die Begrenzungsmauer eines Pflanzenbeetes zu springen, einmal durchs Beet zu rennen und auf der anderen Seite wieder über die Mauer zu setzen. Dabei gehen mehrere Leute wild über die offensichtlich planvoll und sorgfältig angelegten Pflanzreihen, trampeln sogar ohne Bedacht über die Pflanzen. Als ich bestürzt protestiere, können die wenigsten meine Bedenken verstehen. Getrampelt wird weiter - ich halte mich aus dem Beet komplett raus, da ich als Bodenkundler auch die Wirkung von verdichtetem Boden auf Kulturpflanzen abschätzen kann, von direkten Trittschäden ganz zu schweigen. Kurz darauf höre ich gerüchteweise, daß die dortigen Gärtner eben wegen solchen Aktionen bereits stinksauer seien.

…diese Liste könnte ich endlos fortsetzen.

Kleinigkeiten? Nicht wirklich. In allen diesen Fällen hat es Grenzüberschreitungen oder sogar konkrete Schäden gegeben. Viele beruhten auf Selbstüberschätzung und Bedachtlosigkeit, einige auf Ignoranz von Arbeitskraft oder Eigentum anderer Menschen.

Nein, es sind fast nie wirkliche Unfälle, die zu Beschädigungen führen. Fast immer ist es der Übermut, die fehlende Selbsteinschätzung, die fehlende wirkliche Anpassung an die Umgebung.

Mir tut das herzlich weh, das so zu sehen. Zu sehen, wie viele richtig schöne Trainingsobjekte der Fahrlässigkeit zum Opfer fallen. Zu sehen, daß die unbedachte Ausübung meiner Lieblingskunst immer wieder Spuren der Zerstörung hinterläßt, wo doch eigentlich Kreativität, Weiterentwicklung, Menschlichkeit entstehen soll. Daß Menschen zu Recht skeptisch werden, auf die entstandenen Schäden verweisen, der Ruf des Parkour damit einen Schlag erleidet; so was provoziert geradezu Platzverweise, gerade an schönen, viel genutzten Spots.

Und mir tut es weh, Ignoranz zu erleben, wo eigentlich Respekt angesagt wäre. Gerade auch im Umgang mit der Umgebung und damit letztlich auch mit anderen Menschen - denn wir sind nicht alleine auf dieser Welt.

Parkour zu trainieren bedeutet ein Stück weit auch Freiheit zu erlangen. Doch Freiheit geht nicht ohne Verantwortung. Für uns und für alles, was von unserem Handeln mit betroffen ist.

Danke für Eure Mithilfe.

Lieben Gruß,

Malte

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